Was darf ich mit meiner Uhr – und was soll ich vermeiden?

Die Angaben über die Wasserdichtigkeit sind etwas verwirrend. 30 Meter wasserdicht heisst beispielsweise nicht, dass Sie damit 30 Meter unter Wasser können, sondern bezieht sich auf einen Drucktest unter Laborbedingungen. Diese Tabelle soll Ihnen einen Überblick geben, wofür Ihre Uhr geeignet ist, und wofür nicht.

Angabe in atmAngabe in MeterRegen
Händewaschen
Abwaschen
Küchenarbeit
Baden
Schwimmen
Schnorcheln
Duschen
Tauchen mit FlascheTauchen mit Helium
OhneOhneNeinNeinNeinNeinNein
3 atm30 mJaJa, mit VorsichtNeinNeinNein
5 atm 50 mJaJaJa, mit VorsichtNeinNein
10 atm100 mJaJaJaNeinNein
20 atm200 mJaJaJaJaNein
30 atm300 mJaJaJaJaJa

Wasserdichtigkeit von Uhren

Einer der grössten Feinde einer Uhr ist das Wasser. Um die Uhren verstellen und (bei mechanischen Uhren) aufziehen zu können, führt kein Weg an einer Gehäuseöffnung vorbei. Durch diese muss ein Drücker oder eine Achse bewegt werden können – und jede Öffnung im Gehäuse ist grundsätzlich ein Problem.

Ende 19. Jahrhundert wurden die ersten Ansätze für abgedichtete Taschenuhren vorgestellt. Doch erst mit der Einführung der Armbanduhr wurden solche Konzepte auch in der Praxis umgesetzt. Insbesondere aus dem militärischen Bereich kam natürlich die Nachfrage. Dabei war nicht nur Wasser-, sondern auch Staubdichtigkeit ein Thema. Der eigentliche Durchbruch gelang im Jahr 1926 – damals entstand die legendäre, auch heute noch aktuelle Rolex Oyster – zu deutsch „Auster“ -, das erste wasserdichte und vollkommen staubgeschützte Armbanduhrmodell mit Schraubkrone, welche am 21. September 1926 beim eidgenössischen Amt für Eigentum, Bern, zum Patent angemeldet wurde. Dieses Gehäuse erreichte seine außerordentliche Robustheit durch die vollkommene Versiegelung der drei Öffnungen. Der Boden sowie die Aufzugskrone sind verschraubt und das Glas sitzt fest und präzise, so dass das Werk vollständig geschützt ist.

Ein gelungener Marketing-Coup

Die Lancierung der Oyster erfolgte 1927 mit einem genialen Marketing-Coup, der damals seinesgleichen such­te: Rolex-Besitzer Hans Wilsdorf war zu Ohren gekommen, dass die englische Stenotypistin Mercedes Gleitze als erste Frau den Ärmelkanal durchschwimmen wolle. Er packte die Gelegenheit und rüstete die junge Schwimmerin mit einer Rolex Oyster aus. Bei ihrer Ankunft nach der gelungenen Kanal­durch­schwim­mung zeigt die Uhr die richtige Zeit und wies keine Zeichen von Feuchtigkeit auf. Wilsdorf buch­te kurzerhand die Front­seite der Londoner „Daily Mail“ und zeigte ein Foto der jungen Dame (siehe Bild unten). In Uhren­ge­schäften auf der ganzen Welt wurde danach die Oyster im Schaufenster in einem Aquarium gezeigt – der Erfolg war durchschlagend.

1927_mercedes_gleitze

Einen Nachteil hatte die Uhr allerdings noch: Die geschraubte Krone musste zum Aufziehen geöffnet werden. Darum führte Rolex 1931 die Oyster Perpetual ein, eine Uhr mit automatischem Aufzug. So musste die Krone nur noch selten abgeschraubt werden. Diese beiden Entwicklungen begründeten den bis heute anhaltenden Mythos um die Rolex-Uhren. Aber auch andere Hersteller schliefen nicht. Mido brachte 1934 das Aquadura-System, bei dem die Dichtungen aus Kork sind. Dieses Prinzip wird auch heute teilweise noch verwendet. Omega, Cartier und andere brachten ebenfalls wasserdichte Uhren auf den Markt.

Besonders im militärischen Bereich wurde viel weiterentwickelt. Im zweiten Weltkrieg spielten Kampftaucher und –schwimmer entscheidende Rollen – für das Gelingen ihrer oft blutigen Missionen waren funktionierende, zuverlässige Uhren unerlässlich. Die amerikanischen Firmen Hamilton und Elgin produzierten Uhren mit überdimensionierten Verschlusskappen über der Krone, die eine hohe Wasserdichtigkeit erreichten. Auch die russische Marine war mit ähnlichen Konstrukten ausgerüstet.

Das Sporttauchen als Entwicklungshelfer

Das anfangs 50er Jahre aufkommende Flaschentauchen sorgte für einen weiteren Entwicklungsschub – es war die Geburtsstunde des Konzepts der Taucheruhr. An der Basler Uhrenmesse von 1953 stellten gleich zwei Firmen Zeitmesser für die Unterwasserwelt vor: Rolex die (auch heute noch produzier­te) „Submariner“ und Blanc­pain die „Fifty Fathoms“. Die Fifty Fathoms war im Auftrag der französischen Marine entwickelt worden und hatte bis 50 Faden (1 Faden = 6 Fuss = 1.828 Meter) oder knapp 100 Meter wasserdicht zu sein.

Ein entscheidendes Detail war bei beiden Uhren die Einführung der so genannten Taucherlunette. Dieser Drehring hat eine Skala, die für die ersten 15 Minuten eine Minuteneinteilung zeigt und für die restlichen 45 Minuten 5-Minuten-Schritte. Der Drehring kann aus Sicherheitsgründen nur im Gegenuhrzeigersinn verstellt werden. Beim Beginn des Tauchgangs wird die Null-Markierung auf den Stand des Minutenzeigers eingestellt. Danach kann abgelesen werden, wie lange man schon unter Wasser ist. Falls eine unbeabsichtige Verstellung erfolgt, wird dem Träger höchstens eine längere Aufenthaltsdauer angezeigt und er taucht allenfalls zu früh auf, aber sicher nicht zu spät. Das Prinzip der Taucherlunette findet bis heute seine Anwendung.

Rolex liess sich auch für die Submariner marketingmässig etwas ganz besonderes einfallen und spannte mit dem legendären Tiefseeforscher Auguste Piccard zusammen. Auf seiner Tiefseetauch-Rekordfahrt mit dem U-Boot „Trieste“ wurde an der Aussenwand eine „Deep-Sea-Special“ (siehe Bild unten), ein nicht wirklich tragbares Monstrum mit einem Riesenglas, befestigt. Im Herbst 1953 unternahm Piccard im Tyrrhenischen Meer einen Tauchgang auf 3150 Meter. Die Uhr hielt perfekt dicht. Noch dicker kam es 1960, als Piccard im Marianengraben an der tiefsten Stelle der Ozeane auf sagenhafte 10916 Meter abtauchte – wieder war eine Deep Sea Special dabei und zeigte beim Auftauchen die korrekte Zeit an.

rolex_deepseaspecial

Immer tiefer – immer verrückter

In der Folge brachten viele Uhrenhersteller wasserdichte Uhren auf den Markt. Die Entwicklung der Dichtungssysteme erzielte laufend kleine Fortschritte, und bald wurden von mehreren Marken Uhren angeboten, die bis 1000 Meter wasserdicht sind.
Eine weitere Besonderheit ist das Heliumventil. Profi-Taucher halten sich während mehreren Tagen in Druckkabinen auf und atmen dabei Heliumgemische ein. Heliumatome sind so klein, dass sie selbst durch gute Dichtungen in die Uhr eindringen und einen Innendruck aufbauen können. Die Heliumatome können bei Aus­sendruckreduzierung die Uhr nicht schnell genug verlassen. Das He­liumventil schafft Abhilfe und vermeidet so die mögliche Explosion der Uhr.
Heute überbieten sich die Hersteller mit immer höheren Angaben zur Wasserdichtigkeit. Das extremste Beispiel ist die Hydromax, eine Quarzuhr des französischen Herstellers Bell&Ross, die mit theoretischen 11110 Metern glänzt. Dieser Wert wird erreicht durch eine Füllung der ganzen Uhr mit speziellem Silikonöl, das verhindert, dass die Uhr vom grossen Druck zerdrückt wird. In Tat und Wahrheit ist es aber vermutlich so, dass die meisten Taucheruhren so selten unter Wasser sind wie die vielen Geländewagen im Gelände…

Eine vergängliche Sache

Die Wasserdichtigkeit der Uhr ist keine bleibende Eigenschaft. Glas, Krone, Dichtungen und Drücker unterliegen der Alterung und der Abnutzung. Die Dauer der Dichtigkeit hängt von der Qualität des Gehäuses und der Art der Beanspruchung durch den Träger ab. Ein heftiger Stoss gegen die Krone oder einen Drücker, ein Haarriss im Glas oder (bei Quarzuhren) ein unsorgfältiger Batteriewechsel können die Wasserdichtigkeit einer Armbanduhr schlagartig zunichte machen. Auch häufige starke Temperaturwechsel (in der Sauna vom Dampf ins Eiswasserbecken…..), Hitzeeinfluss, Desinfektions- und Lösungsmittel sind schlecht für die Wasserdichtigkeit. Explizit erwähnt sei hier das Duschen, das in der Volksmeinung oft als problemlos für die Uhren angesehen wird („Ich habe doch nur geduscht….“ heisst es bei uns oft, wenn uns jemand eine Uhr zur Reparatur bringt, die innen feucht geworden ist.). Hier sind genau diese Einflüsse von Dampf (ausser Sie duschen immer kalt…) und von Seife vorhanden. Die Seife greift das Fett der Dichtungen an. Sie sind also gut beraten, Ihre Uhr periodisch auf Wasserdichtigkeit überprüfen zu lassen. Jedes seriöse Uhrenfachgeschäft nimmt diesen Test gerne und kostenlos vor.

Bei einem Malheur rasch zum Uhrmacher

Wenn denn trotzdem einmal ein Miss­geschick passiert und die Uhr nass wird, ist es besonders wichtig, dass Sie damit sofort zum nächsten Uhrmacher gehen. Dieser kann dann das Gehäuse fachmännisch öffnen und das Innenleben erst einmal trocknen, bevor die Feuchtigkeit grössere Schäden anrichten kann (z.B. Korrosion). Erst dann folgt die Schadensaufnahme. Mechanische Uhren lassen sich in den meisten Fällen ohne grösseren Aufwand wiederherstellen, wenn noch kein Rost vorhanden ist.

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Wie wähle ich eine wasserdichte Uhr aus?

Nicht nur die Dichtungen sind für eine dauerhaft wasserdichte Uhr entscheidend, sondern vor allem die Gehäusekon­struktion. Wichtig ist auch die regelmässige Überprüfung, die Sie in der Regel in einem Uhrenfachgeschäft kostenlos durchführen lassen können.

Ist eine Armbanduhr rechteckig, hat ein Lederband und eine kleine, zierliche Krone, ist sie mit Sicherheit nicht wirklich für Wasserkontakt geeignet, egal was die Herstellerangaben versprechen. Eckige Uhrgehäuse lassen sich nicht zuverlässig und dauerhaft abdichten. Kleine, zierliche Kronen, wie sie an Damen- oder eleganten Herrenuhren üblich sind, bieten nicht den nötigen Schutz und sind im allgemeinen zu empfindlich, um Wasser dauerhaft auszusperren. Leder­bänder sind generell nicht für regelmässigen Kon­takt mit Was­ser geeignet. Bewährt haben sich Bän­der aus Edel­stahl und Kautschuk mit einer gesicherten Schliesse.

Eine dauerhaft wasserdichte Uhr braucht ein solides Edelstahlgehäuse, welches idealerweise aus einem Block gefertigt ist und einen verschraubten Gehäuseboden hat. Das Glas sollte mit einer Kunststoffdichtung in das Gehäuse gepresst sein und nicht über den Gehäuserand hinausstehen. Das Uhrglas sollte so dick beschaffen sein, dass es den auftretenden Druck ohne Bruch oder Risse übersteht. Die Krone sollte am besten verschraubt sein, und zudem möglichst einen seitlichem Flankenschutz haben. Auch Gehäuse aus Kunststoff kön­nen großem Wasserdruck standhalten, wenn das Gehäuse entsprechend form­stabil ausgeführt ist. Robuste Digital-Uh­ren (wie beispielsweise die G-Shock-Modelle von Casio) oder ver­schweisste Uhrengehäuse mit nur zwei Öffnun­gen für Stellwelle und Batterie (wie beispielsweise gewisse Swatch-Modelle) sind gegen Wasser oft gut abgedichtet. Dabei gilt aber, dass das Gehäuse an keiner Stelle beschädigt sein darf und die Dichtungen sowie die Gehäuserückseite beim Batteriewechsel sorgfältig gereinigt und gefettet werden müssen, um die Uhr wieder einwandfrei zu dichten.

Schematische Zeichnung der Dichtigkeit:

kronenzeichnung