Der Begriff “Danish Design” ist weit gefasst. Aber woran erkennt man es? Schwierig zu sagen, und nicht einmal das Museum des Danish Design in Copenhagen weiss wirklich die definitive Antwort, wie wir bei einem Besuch feststellen konnten. Und selbst das sonst Allwissende Wikipedia hat keine passende Definition auf Lager. 

Klar ist lediglich: das Design muss aus Dänemark stammen. Und unbestritten ist, dass Dänemark viele grosse Designer hervorgebracht hat – Arne Jacobsen mit seinen legendären Sesseln (von ihm stammt neben vielen anderen Dingen der berühmte Egg Chair),  Jacob Jensen (am bekanntesten für das Design der Produkte von Bang & Olufsen) oder Verner Panton sind einige der ganz grossen Namen. Und – hätten Sie’s gewusst? – selbst das berühmte Opernhaus in Sydney wurde von einem Dänen kreiert, dem Architekten Jørn Utzon.

Eine grosse Gemeinsamkeit sind sicher die schlichten und klaren Linien bei den Entwürfen aus Dänemark, die besonders beim Möbeldesign bestechen. Ohne es zu wissen Sind auch Sie bestimmt schon oft auf Stühlen gesessen, die einst im kleinen Königreich im Norden entworfen wurden.

Jacob Juul, Gründer von Bulbul Watches.

Mit dem Anspruch, dieser Linie treu zu sein und daraus etwas Zeitgenössisches, Modernes zu schaffen, gründete der dänische “Serial Entrepreneur” Jacob Juul seine Firma Bulbul Watches. Der rastlose Weltenbummler startete einmal als Journalist, doch das hielt nicht wirklich hin. Im Jahr 2000 zog er nach Canton in China, eigentlich nur für einige Monate. Doch wie es das Leben so schreibt – er begann, für ein dänisches Startup zu arbeiten, so wurden einige Jahre draus. Obwohl ihn das “Business Life” nie richtig interessierte, lernte er in den diesen folgenden Jahren eine Menge über Produktion, Finanzierung und Logistik. Diese wertvollen Beobachtungen sollten ihm im weiteren Leben als Unternehmer hilfreich sein. Und weil er als Angestellter seine liebe Mühe hatte mit Vorgesetzten, war es nichts als logisch, die Dinge selber in die Hände zu nehmen. Nach seiner Zeit in China begann er von Hong Kong aus mit Handel.

Aufgrund dieser Erfahrungen erkannte er bald einmal, dass Uhren viele Vorteile haben: Sie sind klein, langlebig, ungefährlich und einfach zu transportieren, und sie brauchen – wenn sie denn einfach genug sind – nicht viele Erklärungen. So war der logische Schluss, eine Uhrenfirma zu gründen. Doch der pfiffige Mittvierziger hatte mittlerweile auch gelernt, dass man für Dinge, die man selber nicht kann, gute Unterstützung braucht. Er war sich bewusst, dass er selber nicht Designer ist, darum klopfte er bei bekannten Namen des berühmten “Danish Design” an.

Fündig wurde er beim Kreativkollektiv KiBiSi, hinter dem die Könner Bjarke Ingels / BIG, Lars Holme Larsen / Kilo Design und Jens Martin Skibsted / Skibsted Ideation stehen. Sie gelten als “Design Supergroup” und werden zu den einflussreichten dänischen Designern unserer Zeit gezählt. Unterstrichen wird das durch ihre Mitgliedschaft im “Danish Design Council“, einer Art Rat der Designweisen.

Auf ihr Konto gehen Dinge wie das scharfe Biomega E-Bike,  der superschicke VIA57-Sessel von Republic of Fritz Hansen oder die noble Silverback Pendelleuchte von Louis Poulsen. Die Herren haben also nicht nur echt dänische Namen, Sie wissen auch wirklich, was sie tun.

Bulbul verdankt KiBiSi  die beiden Linien Pebble und Facette, beides grosse Würfe wie wir meinen. Und nicht nur wir, sondern auch viel Kunden auf der ganzen Welt, die bereits eines dieser dänischen Schmuckstücke am Handgelenk tragen. Bei der neuesten Linie “Oblong” setzte Juul auf die Künste von Lars Larsen von Kilo Design (das Ki in KiBiSi).

Die Pebble 04 von Bulbul, einer der Entwürfe des Designkollektivs KiBiSi. Das ist Dänisches Design.

Juul packte die Sache mit den Uhren gründlich an. Er vertiefte sich ins Thema, besuchte Uhrenmessen und schaute genau hin. Natürlich blieb dem schlauen Dänen nicht verborgen, dass in der Uhrenbranche viele Pfade ausgetreten sind, nicht nur im Design, auch im Auftritt vieler Firmen. Traditionen können auch hinderlich sein., und Konservatismus sorgt nicht unbedingt für raschen Fortschritt. Als unbelasteter Branchen-Rookie kann man anders an die Dinge gehen, was zur Zeit auf erfrischende Weise von mehreren Jungfirmen demonstriert wird.

Mit der Pebble, dem ersten Produkt, gelang Juul ein grosser Wurf, dessen Umsetzung er sich allerdings zuerst einfacher vorstellte. Aufgrund der asymmetrischen Formen wurde in der Produktion vieles komplizierter (und damit notgedrungen auch teurer) als gedacht. Und auch die Zeitspanne von den ersten Designs bis zum fertigen Produkt war wesentlich länger als geplant. Dies bedingte, das Geschäftsmodell und insbesondere die Kalkulationen zu überdenken, und die Bulbul Uhren in einem höheren Segment zu platzieren als Juul vorgesehen hatte. Was aber auch bedeutete, entsprechend höherwertige Komponenten zu nutzen. Das Resultat ist erfreulich – im Gegensatz zu den unzähligen billigen Designer-Schnellschüssen ist bei den Bulbul-Produkten wirklich Substanz da. Dies war letztlich auch der Grund, warum die Kollektion die strengen Kriterien für die Aufnahme auf designerwatches.ch erfüllte. Wichtig ist Juul auch die Nachhaltigkeit. In leicht salopper Manier sagt er “Es gibt genug Wegwerfscheiss auf dieser Welt – dazu wollen wir nicht auch noch beitragen”. Recht hat er.

Schwieriger war die finanzielle Seite – Juuls Konti waren bei der Lancierung der Uhren arg strapaziert. Der Start war hingegen traumhaft – Bulbul hatte von anfang an gute Presse und damit verbunden eine grosse Nachfrage, die zuerst nicht vollkommen befriedigt werden konnte. Mittlerweile hat man den Nachschub aber im Griff, trotz sehr erfreulichen Verkaufszahlen.